Rubrik:  Fuchsschwanz des Tages

Ein Jahr offline – der Allheilsbringer

Screenshot aus "Finding Paul Miller", http://www.theverge.com/2013/5/1/4279674/im-still-here-back-online-after-a-year-without-the-internet

Aus, Schluss, Ende, Vorbei! Paul Miller zog den Stecker, stieg ins Taxi und lebte ein Jahr ohne Internet. Auf theverge.com hat er nun seinen Abschlussbericht veröffentlicht schließlich hat das Tech-Magazin das Experiment auch finanziert. Und nun? Ein Jahr offline! Ein Jahr ohne den Diktator unserer Zeit. Raus aus der Herrschaft von Google und Facebook. Dieses Internet, das soziale Inkompetenz fördert, unsere Aufmerksamkeitsfähigkeit zerstört, den Journalismus zu Grabe trägt und dann auch noch Pornografie als neue vierte Gewalt etabliert. Dieses Internet, das die Generation Y hervorgebracht hat – eine Generation von Weicheiern, eine Generation von Vielleichtsagern. Paul Miller stellt sich dem Endgegner. Ist er nun der Held aller Wohlfühltexter der Feuilletons, der Held unserer Generation? 

Ja, am Anfang ist es wie gewünscht! Paul genießt die Natur, er nimmt 15 Pounds ab, er lernt das Zuhören neu, es fühlt sich gut an. Es ist das Leben, das alle herbei sehnen, die beim Verlust des Smartphones/beim Stromausfall/bei einer Internetstörung irgendwie trotzdem bei facebook posten können “Wenn man kein Internet/Strom/Smartphone hat, merkt man erst, wie abhängig man davon ist.” Schön, dass ihr überhaupt noch was merkt, aber zurück zu Paul.

Paul wollte gerne ein Buch schreiben, er wollte die Bibliotheken nutzen, mehr Sinnvolles tun. Zeit sollte kein Problem mehr sein, sondern seine Muse. Doch was stellte Paul nach seiner Anfangseuphorie fest? Nicht nur im Jahr 2000 kann die Internetblase platzen! Er war immer noch Paul Miller und das änderte auch kein gezogener Stecker.

Instead of taking boredom and lack of stimulation and turning them into learning and creativity, I turned toward passive consumption and social retreat. […] A good book took motivation to read, whether I had the internet as an alternative or not. Leaving the house to hang out with people took just as much courage as it ever did. 

Ist das Internet am Schluss gar doch nicht die Wurzel allen Übels? Nur weil wir den Eifelturm eher durch den Instagramm-Filter kennen als den eigenen Augen zu vertrauen, nur weil wir zu dumm sind zu merken, dass man auch ohne Liveticker informiert sein kann und nur weil wir stolz sind, Digitale Naiv Native zu sein, sind wir keine besseren oder schlechteren Menschen ohne Internet. Das Internet ist nicht an allem Schuld.

Eigentlich ist es ganz einfach: Wir können das Internet einfach alle immer noch nicht richtig nutzen. Wir sollten weiter üben, wenn wir nie zufrieden sind. Perfektion wird es aber weder online noch offline geben. Geben wir aber dem Internet die Schuld für alles, begründen wir all unser Verhalten mit dem Internet, dann wäre dies tatsächlich bezeichnend für eine Generation – vor allem aber wäre es ein Armutszeugnis.

 Link zum Artikel von Paul Miller mit Kurzdoku


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