Rubrik:  Fuchsschwanz des Tages

Hennes und Mauritz und Ich

Foto: "fat jeans skinny jeans" von mbtrama - http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Alle paar Monate (Ok, Jahre) ist es soweit: Ich brauche eine neue Hose. Was mit jungen 6 Jahren noch von Horrorausflügen mit den Eltern ins städtische Einkaufszentrum und Schreikrämpfen begleitet wurde, mit etwas fortgeschrittenem Alter teilweise angenehmer aber durch das viel zu mickrige Taschengeld stark restringiert deshalb auch schwieriger ausfiel, ist nun ganz einfach. Oder war es zumindest bisher.

Prozedere: Man merke sich 2-3 Zahlen und finde den Weg zum nächsten Laden des weltweit aktiven schwedischen Herstellers von Kleidung, der immer noch denkt, dass es irgendwen interessiert, wer seine quasi immer gleiche Massenware dieses Jahr angeblich designed. Hat, wie gesagt, bisher immer gut funktioniert. Nix mit lange suchen, vergleichen oder gar anprobieren, die Sachen sind ja eh immer nahezu identisch.

Doch dieses Mal war irgendetwas anders. Dass die sich irgendwas über die Schulter werfenden und möglichst lässig schmollenden oder einen imaginären Punkt fixierenden “Models” auf den lebensgroßen Bildern des Interieur meiner Vorstellung von schönen oder gar charismatischen Menschen nicht wirklich entsprechen, daran habe ich mich gewöhnt. Aber was zur Hölle macht der Junge, der Frisurentechnisch gerne aussähe wie Justin Bieber da mit seiner Hose? Und warum sieht die genauso aus wie das Bündel unter meinem Arm, das ich noch bis eben für einen sicheren Kauf hielt?

Die Skepsis besiegt das blinde Vertrauen und ich erfreue die Leute hinter mir, indem ich die Schlange vor der Kasse schrumpfen lasse, wenn auch nur sehr geringfügig. Nach gefühlten zwei Stunden des Wartens wird endlich eine Kabine frei, aus der lachend drei junge Mädchen stürmen, eine von ihnen schaut mich schuldbewusst an und rennt dann förmlich davon. Warum sehe ich sofort: Die Gören haben anscheinend mit einer neuen Form der Klamottenbombe experimentiert. Ca. 30 Kleidungsstücke liegen, hängen oder stecken irgendwo in den 0,5 Quadratmetern der Kabine. Wenigstens stehe ich weich.

Nach dem vierten Versuch schaffe ich es, das zweite Bein in die Hose zu befördern, ohne dabei umzufallen. Und fühle mich wie damals, als ich nach dem Knöchelbruch Thrombose-Strümpfe tragen musste. Außerdem weht mir ein laues Lüftchen um die Knöchel. Hipster sein bedeutet anscheinend nicht nur, absolut keine Ahnung von Musik und dem eigentlichen Sinn von Brillen zu haben, es ist darüber hinaus wahrscheinlich jeden Morgen beim Ankleiden auch noch ziemlich anstrengend. Nicht mit mir. Problem ist nur – das war schon das am weitesten geschnittene Modell des vorhandenen Sortiments.

Traurig verlassen ich den Laden, der mir über so viele Jahre so treue und vor allem zeitsparende Dienste erwiesen hat, mit leeren Händen. Er ist also da – der Tag an dem ich mich wirklich mit Klamotten beschäftigen muss. Oder noch viel schlimmer: An dem ich zum ersten Mal zu Anson’s oder dergleichen gehen muss.


verfasst von Ole  

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