Rubrik:  Fuchsschwanz des Tages

Hochschulnoten? Selten naiv sowas!

Zeugnis

Foto: Zucker & Plastik

Die sogenannte Bildungselite, die Studierenden, werden nach Meinung des Wissenschaftsrates zu sehr mit Samthandschuhen angefasst.  Die Zensuren an Universitäten, Fachhochschulen Hochschulen der angewandten Wissenschaft, sowie staatlich anerkannten Hochschulen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Es scheint so, als müsste noch immer das PISA-Urteil kaschiert und deutsche Tugenden endlich wieder mit dem Prädikat “sehr gut” versehen werden. Von einer “schleichenden Noteninflation” ist die Rede. Klingt nach Krise! Klingt nach Rettungsschirm! Klingt nach “Arbeit muss sich wieder lohnen”! Stimmt aber!

Fast 80 Prozent aller Absolventen des vergangenen Jahres schlossen ihr Studium mit “gut” oder “sehr gut” ab, berichtet die Süddeutsche aus dem noch nicht veröffentlichten Bericht des Wissenschaftsrates in der letzten Woche. Klingt doch super! Vorbei das Klischee des langhaarigen Langzeitstudenten im Strickringelpulli. Endlich Humankapital, das den Namen verdient hat. Dürfen wir uns Noten-Weltmeister nennen, wenn es beim Export doch immer so gut klingt und beim deutschen Lieblingsgetränk schon nicht mehr dazu reicht? Könnt ihr ja gerne machen, aber es ist wie beim Bier : Nur weil die Chinesen Weltmeister sind, schmeckt es noch immer stark verwässert. Hopfen und Malz sind verloren.

Wenn der Durchschnitt nur noch aus Kuschelnoten berechnet wird, dann ist der Durchschnitt herausragend und herausragend bedeutet neben dem feuchten Händedruck bei der Absolventenverabschiedung auch noch einen Buchgutschein. Klingt schon wieder super! Dieses Mal für die Studierenden! Notenschnitt von 1,5 in sechs Semestern. Mama und Papa stolz gemacht. Werft die selbstgebastelten Abschluss-Kopfbedeckungen in die Luft! Dumm nur, wenn man dann ein paar Wochen später beim Bewerbungsgespräch direkt wieder den Hut nehmen kann. Dem Personaler, dem Börsenmakler des Humankapitals, sind die Noten nämlich egal. Was zählt sind Softskills, Auslandserfahrung, erlangte Kompetenzen an mindestens drei DAX notierten Kaffeemaschinen und Vitamin B aus fruchtbaren Beziehungen – nachhaltig angebaut, denn Egoisten will ja auch keiner! Schade lieber Absolvent! War wohl nichts! Aber dann schiebst du eben noch einen Master hinterher, oder? Schaffst du ja locker, denn von ganz alleine kann die 1,5 ja auch nicht zustande gekommen sein, richtig?

Da gibt’s nur ein Problem: Du bist nicht allein! Viel zu viele haben die gleiche Idee und bewerben sich um den selben Studienplatz. Und nun? Jetzt zählt die Note auf einmal wieder!  Es kann ja niemand verlangen, dass die Hochschulen sich bei so vielen Bewerbern jeden persönlich angucken. Wofür gibt es schließlich die Noten? Doch, ach du Schreck! Sie ist nicht gut genug. Das sollen Mutti und Vati noch verstehen. Nur weil du einmal das Projekt beim Professor Schmidt und nicht beim Meier gemacht hast, obwohl doch jeder weiß, dass der Schmidt auch mal eine Zwei gibt? Selbstverwirklichung? Selten naiv sowas!

Im Laufe der nächsten Monate -  du überbrückst das Zwangsurlaubssemester gerade mit “Homeoffice als Freier”, also als Wollmilchsau für’n Appel und ‘n Ei – triffst du zufällig Professor Schmidt. Er erfährt von deinen Bemühungen um einen Masterplatz, geht nach Hause und macht aus jeder Zwei eine Eins! Er hat ja auch schon lange keine Lust mehr auf die Diskussionen in seiner Vorlesung, warum ausgerechnet er immer so schlechte Noten verteilt. Prinzipien? Selten naiv sowas!

Scheint also so, als würden die guten Noten niemanden etwas bringen. Als würde der Hamster in seinem Rad zwar schneller laufen, aber sich trotzdem nicht vom Fleck bewegen. Dabei könnte es doch alles so einfach sein. Einfach das Notenspektrum voll ausreizen. Wer sich daran stört, bedenke einfach: 4,0 ist bestanden, bestanden ist gut, gut ist ‘ne Zwei und Zwei ist fast ‘ne Eins! Selten naiv sowas!


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