Mein Held

Foto von Gigi Ibrahim - flickr - http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Man stelle sich folgende Biographie vor: In einem Land des arabischen Frühlings wird ein 36-jähriger Herzchirurg Zeuge der öffentlichen Demonstrationen, in deren Folge der zuvor regierende Machthaber gestürzt werden kann. Er ist ergriffen von den Vorgängen, von dem, was Menschen gemeinsam erreichen könnnen. Noch mehr berührt ihn jedoch, und zwar im negativen Sinne, die einseitige und wahrheitsverzerrende Berichterstattung der staatlichen Medien, in denen sich Lügen und Vorurteile die Klinke in die Hand geben, die sich überbieten im Denunzieren der Demonstranten und der Causa im generellen.

Er beginnt, aus seiner Abstellkammer heraus, sich der Mittel der Satire zu bedienen um auf die falsche Berichterstattung aufmerksam zu machen und

Schnitt-Zack, alles anders: Forschungsobjekt #HarlemShake

Irgend etwas ist anders. Von einem auf den anderen Moment, ganz plötzlich. Schnitt-Zack. Es begann vor knapp drei Wochen, am 02. Februar. Eigentlich sogar schon im Mai 2012. Aber der  Schnitt-Zack-Moment muss irgendwann um den 02. Februar liegen, nachdem das Team von TheSunnyCoastSkate dieses Video veröffentlichte:

Seitdem sind gefühlte 200.000 neue #HarlemShake-Videos hinzugekommen. Universitäten, die norwegische ArmeeSchwimmteams von Universitäten,

15 Minuten Ruhm

Foto: GlobalCitizen01 - www.flickr.com - http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.de

Was haben Menschen, deren Body Mass Index ebenso in den extrem ungesunden Regionen angesiedelt ist, wie der ihres Haustieres; Frauen, die per Internet ihren Traummann gefunden haben und Jugendliche, die ihren ersten (Trink-)Urlaub gerne exzessiv verleben sowie inbegriffene Eskalationen gerne im nationalen Fernsehen dokumentiert sehen möchten gemeinsam?

Richtig, hier wird ihnen geholfen.

Das Maß der Dinge

Foto: http://www.flickr.com/photos/kalleboo/ - http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

In wenigen Tagen, genauer gesagt am 3. Februar, steht das größte jährliche Sportspektakel der Amerikaner an – der XLVII. Superbowl, das nationale Endspiel um die wichtigste Trophäe der NFL. Und auch wenn jeder, der sich je auch nur Ausschnitte eines Baseballspiels angetan hat, für jede amerikanische Sportart dankbar ist, die nicht als uneheliches Kind von Langeweile und Folter daherkommt, muss man diesem Spiel nichts abgewinnen.

Einschalten lohnt sich dennoch: Ob Christina Aguilera der Nationalhymne neue Wörter hinzudichtet, der kleine Justin der armen Janet die Klamotten zerreisst,

Bang, bang, my baby shot me down

Foto: Seattle Municipal Archives http://www.flickr.com/photos/seattlemunicipalarchives/, http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Seit ich 15 Jahre alt war, sehen ich und andere Zeitgenossen meines Alters sich regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, Counter-Strike und Gangsta-Rap seien Schuld an allem Übel dieser Welt. Also jetzt nicht unbedingt an der Flughafen-Causa, dem Texas Nationalist Movement und Sonja Zietlow, zumindest aber an der Verrohung der Jugend hin zu einem gewaltliebenden Mob, der Rentner auf dem Bahnhof hinterrücks umgrätscht und  dem kleinen Dustin/ Steven/ Kevin auf dem Schulhof regelmäßig die zwei Pausen-Cheeseburger aus der Brotdose abzieht. 

Zum Glück in die Zukunft

Zukunftsperspektive - Dieses Wort zieht sich wie ein roter Faden der permanenten Angst durch unser Leben, seit wir damals im Bio-Raum heimlich die Organe des geschlechtslosen Standard-Torsos vertauscht haben.

Ritalin für alle!

Das Internet, unendliche Weiten – wir schreiben das Jahr 2013. Und ich möchte mich an dieser Stelle darüber aufregen, dass  sich niemand mehr richtig aufregt!

Letzte Woche noch herrschte Kulturkrieg, Deutsche hassten Deutsche, zumindest Spiegel Online zufolge. Und jetzt? Was, Flughafeneröffnung, schon wieder verschoben? Vergessen wir die Schwaben. Aber dieser Wowereit, der gehört abgesetzt!

Wir haben die Aufmerksamkeitsspanne von einem Kleinkind. Sich richtig aufregen – das kann heute kaum noch jemand. Eine halbe Woche lang streitet sich die Republik am landesweiten Stammtisch über Berlin und die Zugezogenen, energisch und verbissen. In allen Medien wird berichtet, erklärt und dramatisiert. Von einem Tag auf den anderen ist es still – wie so oft. Doch warum haben sich dann alle überhaupt so aufgeregt?

Wir führen ein Leben allegro, ständig unter Strom und mit durchgetretenem Gaspedal. Heute Berlin, morgen München; drei Projekte und dazwischen zur Vernissage. Der Kopf rattert, aktualisiert ständig den Terminkalender und die To-Do-Liste.

Nachrichten und Ereignisse rauschen an uns vorbei. Mit der Maus durch das Netz geklickt, Depardieu, van der Vaart, Euro-Krise. Aha. Die Welt ist schneller geworden, das ist nichts Neues. Doch mich nervt es umso mehr. Regt euch auf, gerne, dann aber richtig. Nicht nur einmal kurz auf den Tisch hauen, die Meinung kläffen und dann so tun als wäre nichts gewesen. Diese Gesellschaft, diese Medien.

Aber was tun? Kraft meines rumänischen Ärztetitels verschreibe ich: Ritalin für alle!

Ich kokse, also bin ich

Zwischen Lidl-Wodka und einer Flasche Goldi fummeln wir grüne Klumpen in zwei notdürftig zusammengeklebte Blättchen, als wir uns Fragezeichen zuwerfen: Was ist der Sinn des Lebens?